vom 19. bis 22. Jänner 2012 in Abtenau, SalzburgerLand

Chronik

Anfänge und Entwicklung des Versehrtensports in Abtenau

Es war im Herbst des Jahres 1970, da besuchten uns zwei Kriegsinvaliden, die Herren Brunner und Haagen und ersuchten, ob der USV – die jetzige Sportunion Abtenau – nicht im kommenden Winter die Landesmeisterschaften für Vereine im Schilauf ausrichten könnten. Wir erklärten uns dazu spontan bereit.

Im Jänner 1971 war es dann soweit. Es war damals noch die „Steinzeit“ des Versehrtensports. Die Teilnehmer – überwiegend Kriegsversehrte – bastelten ihre Sportgeräte unter primitiven Bedingungen selbst. So haben etwa Beinamputierte alte Schier abgeschnitten und die Spitzen auf Krücken montiert. Alle Teilnehmer waren mit unserer Abwicklung restlos zufrieden. Wir, die gerne halfen, staunten über die erbrachten Leistungen und boten uns zu einer weiteren Zusammenarbeit an.

Die Entwicklung ging vorerst schleppend voran. 1982 übernahmen wir die Ausrichtung der ersten Österreichischen Meisterschaften für  Alpine und Nordische.

Markus Ramsauer: Olympiasieger
Dazu ist auch zu sagen, dass bei diesen Bewerben auch ein Abtenauer teilnahm. Markus Ramsauer, 1952 geboren, musste nach einem Mopedunfall im Jahre 1969 der rechte Unterschenkel amputiert werden. Nach einigen Jahren verständlicher Probleme und Turbulenzen, fand er dann wieder zum Schisport – den er vor seinem Unfall erfolgreich ausgeübt hatte – zurück. Bereits 1980 errang er bei den Olympischen Spielen in Geilo (Norwegen) die Goldmedaille im RTL. Im Rahmen einer Einladung beim damaligen Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer wurden auch die beruflichen Aussichten von Ramsauer – der eine Mechanikerlehre abgeschlossen hatte und dann als Baggerfahrer tätig war – angesprochen. Noch am selben Tag erhielt er eine Anstellung beim Land, vorerst als Telefonist und später, nach erfolgreicher Absolvierung der Dienstprüfungen, als Kanzleileiter im Gesundheitsamt Hallein.
Anfang 1997 wurde bei Ramsauer Krebs im fortgeschrittenen Stadium (ohne Heilungschancen) diagnostiziert. Er gab sich jedoch vorerst nicht geschlagen und kämpfte mit aller körperlichen und mentalen Kraft gegen die Krankheit an – leider ohne Erfolg. Er verstarb am 22. Dezember des selben Jahres.

In der Zeit des Ankämpfens und Aufbäumens gegen die heimtückische Krankheit fällt auch die Bewerbung Salzburgs für die Olympischen Winterspiele 2006. Dank Ramsauers internationalen Verbindungen war es möglich, dass der Weltverband der Behindertensportler erstmals zustimmte, diese Bewerbe nicht an den olympischen Spielstätten auszurichten. Abtenau erhielt den Vorrang und war in der offiziellen Bewerbung mit dabei. Der Zuschlag des ÖOC wurde dann allerdings Kärnten erteilt.

In diesen sehr arbeitsintensiven Monaten – für Dezember war dazu außerdem der erste Weltcup für Behinderte in Abtenau festgelegt – hat Ramsauer bis kurz vor seinem Tode ungebrochen mitgewirkt. Die Arbeitssitzungen und Besprechungen wurden jeweils nach den Terminen seiner Chemotherapie abgestimmt. Mitte Dezember waren dann die besten Behindertensportler der Welt in Abtenau. Ramsauer lag jedoch bereits im Sterben. Das Schicksal hat hier in besonderer Weise Regie geführt. Am 22. Dezember ist er verstorben. 

Die Rennen in Abtenau mussten leider witterungsbedingt (zu starker Schneefall, keine sicheren Pisten) abgesagt werden. Sie wurden dann im Jänner des folgenden Jahres mit den Österreichischen Meisterschaften in Abtenau mitgewertet.

 
Erfolge von Markus Ramsauer
1980 Geilo / Norwegen                                            Gold RTL
1982 Les Diablered / Schweiz      Gold AL & Kombi, Silber SL
1984 Innsbruck / Österreich                                      Gold AL
1986 Fallun / Finnland                                             Gold RTL
1988 Innsbruck / Österreich                                  Bronze SL
  

Im Anschluss an seine aktive Zeit als Sportler war Markus Ramsauer als Funktionär im Behindertensport tätig. Zuletzt als Landesobmann des Behindertensportverbandes.

Matthias Höll, Österr.Skinationalmannschaft, ÖM - Tennis
Seit ein paar Jahren ist im Behindertensport wieder ein Abtenauer vertreten. Matthias Höll, geb. 1967, wurde bei einem Arbeitsunfall im elterlichen Betrieb durch einen Aufzug der rechte Unterschenkel abgetrennt.
Höll – vor dem Unfall ein absoluter Ausnahmeathlet in Schilauf, Tennis und Fußball – ist mittlerweile im internationalen Behindertensport auf dem Weg ganz nach oben, 2006 war er Fixstarter bei den Olympischen Spielen in Turin. Überaus erfolgreich ist er auch in Tennis (13facher Staatsmeister im Einzel, Doppel und der Mannschaft). Darüber hinaus spielt er noch für unseren Verein im Mannschaftsbewerb des Salzburger Tennisverbandes.
Matthias Höll ist verheiratet, hat zwei Töchter, übernahm den elterlichen Betrieb (Tapezierer und Raumausstatter) und holte auch noch erfolgreich die Abendmatura nach.

Aus diesen Aufzeichnungen ist ersichtlich, dass beide Sportler, Ramsauer wie auch Höll, neben ihrer sportlichen Karriere auch im Beruf die gesteckten Ziele erreicht haben.

Behindertensport ist Spitzensport:
In diesen mehr als drei Jahrzehnten hat sich – so wie bei allen Sportarten – sehr viel geändert. Hier jedoch sichtbar und spürbar sehr viel mehr.
Zum einen durch die Integration in den SLSV, in weiterer Folge in den ÖSV und die weltweite Koordination durch die FIS. Die finanziellen und strukturellen Bedingungen, die Infrastruktur, der Zugang zum besten Material, Presse, PR und Sponsoren, um nur einige zu nennen, entsprechen nun dem Standard des regulären Rennsports.
Auch in der Klasseneinteilung kam es zu einer Entflechtung bzw. besseren Übersicht. Früher gab es, je nach Verletzungsgrad, sehr viele Klassen. Seit ein paar Jahren hat man im WC eine Neuregelung probiert: Stehend, Sitzend, Blind – dieser Modus gilt seit Turin 2006 auch bei den Olympischen Spielen.

    

Es kann mit Recht behauptet werden, dass durch den Sport die Stellung der Behinderten in der Gesellschaft und die allgemeine Akzeptanz in allen Lebensbereichen sich bedeutend verändert und gebessert hat. Das ist das Wertvollste überhaupt! Wenn Abtenau dazu einen kleinen Betrag leisten konnte, erfüllt uns das mit Freude.

Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang auch, dass ursprünglich nur wenige Orte an der Zusammenarbeit mit dem österreichischen Versehrtensportverband interessiert waren. Im Laufe der Jahre – nach dem in Abtenau bereits zahlreiche Europacup- und Weltcup-Rennen ausgetragen worden waren – begannen sich plötzlich auch namhafte Wintersportorte zu bewerben. Die zuständigen Herren im Verband erklärten jedoch übereinstimmend, dass Abtenau – von Beginn an dabei – bei künftigen Vergaben nach Möglichkeit Priorität eingeräumt werden soll – zumal seit der Wintersaison 2006 eine behindertengerechte Aufstiegshilfe (kombinierte Gondel- und Sechsersesselbahn) zur Verfügung steht. Im öffentlichen Bereich sowie in der Hotellerie und im Gastgewerbe ist man ebenfalls bemüht, entsprechend zu adaptieren.